TiBu133 Dharma-Kolleg-Umfrage

Das Leuchtturmprojekt des Tibetischen Zentrums, das Dharma-Kolleg als erstes Vollzeitstudium des Buddhismus im deutschsprachigen Raum, kommt nun nach sechs Jahren zu einem erfolgreichen Ende. Wir gratulieren allen AbsolventInnen herzlich zu dieser großartigen Leistung! Uns interessierte natürlich brennend, was sie alle in dieser Zeit erlebt haben und was sich in ihrem Leben verändert hat. Dazu haben wir ihnen die folgenden Fragen gestellt. Die Antworten konnten in unserem Magazin Tibet und Buddhismus nur auszugsweise abgedruckt werden, die vollständige Version können sie aber hier lesen:

  1. Was hat Dir am Dharma-Kolleg besonders gefallen? Welche Erwartungen hattest Du zu Beginn und inwiefern wurden diese erfüllt oder auch nicht?
  2. Welche Lehrinhalte oder Aspekte des Dharma-Kollegs haben Dich am nachhaltigsten beeinflusst und verändert? Welche Auswirkungen auf Dein Alltagsleben konntest Du beobachten? Und wie hat sich Deine Dharma-Praxis entwickelt?
  3. Welche Schwierigkeiten oder Herausforderungen sind Dir im Dharma-Kolleg begegnet? Gab es Phasen von Zweifeln oder Krisen? Wie bist du damit umgegangen?
  4. Wie hast Du die Gemeinschaft im Dharma-Kolleg erlebt?
  5. Welche Perspektive hast Du in Hinblick auf Deinem persönlichen Werdegang nach dem Dharma-Kolleg? Was strebst Du mit dem Gelernten nach dem Dharma-Kolleg an?

 

 

Iris Tamme

1. Besonders gefallen hat mir am Vollzeitstudium des Buddhismus das Eintauchen ins buddhistische Denken, das durch die Intensität des Studiums ermöglicht wurde. Ich habe das Gefühl, dass ich gar nicht mehr anders als buddhistisch denken kann. Das ist eine Frucht, die – zumindest in meinem Fall – lediglich durch das berufsbegleitende (Fern-)Studium nicht möglich war. Darüber hinaus hat mir besonders gefallen, wie hochkompetent und menschlich großartig die Lehrenden sind. Die Ge- meinschaft, übereinstimmende Zielsetzung, gegenseitige Unterstützung und das Engagement der gleichgesinnten Studierenden war ebenso eine wunderbare Hilfe auf dem gemeinsamen Weg. Die Erwartung, die ich zu Beginn des Studiums hatte, dadurch auf meinem buddhistischen Weg mit viel größeren Schritten voranzukommen, hat sich voll erfüllt. Die Inhalte des Studiums – mit fünf Jahren Sutra und einem Jahr Tantra – waren eine solide Grundlage, auf der ich nun mit meinem Interesse für die Dzogchen-Lehren aufbauen kann.

2. Tantra hat mich am nachhaltigsten beeinflusst und verändert mit seiner befreienden Sichtweise, dass unser Geist nicht getrennt ist von unserem Lehrer oder der Gottheit. Auch die in das Vollzeitstudium integrierte MeditationslehrerInnenausbildung hat mich stark geprägt, indem sie praktische Fertigkeiten vermittelt und die Brücke zwischen Theorie und Praxis geschlagen hat. Meine Meditationspraxis hat sich positiv entwickelt, weil ich jetzt mit Freude meditiere, während ich es vorher eher als Pflichtübung empfand. Ich habe vieles an buddhistischen Sichtweisen, Ethik etc. verinnerlicht.

3. Während der langen Jahre gab es schon Zweifel, ob dies in Anbetracht der scheinbar endlosen Unterteilungen im Sutra und der auch im Tantra bis ins kleinste Detail reichenden Schilderungen in den Sadhanas der richtige buddhistische Weg für mich ist. Ich glaube, es ist der überragenden Lehrerpersönlichkeit von Geshe Sönam Namgyäl und der tragenden Gemeinschaft der Studierenden zu verdanken, dass ich dennoch „durchgehalten“ habe.

5. Zusammen mit Geshe Sönam Namgyäl haben wir seit knapp 2 Jahren eine buddhistische Gruppe in Lüneburg (https://buddhaweb.de/). Diese, sowie gemeinsame Projekte mit Studierenden des DK möchte ich weiterführen. Darüber hinaus interessiere ich mich für eine einfache Darstellung buddhistischer Inhalte, die auch für Jugendliche attraktiv sein könnte. Ich strebe eine Online- Version davon an.

 

Gelongma Thubten Jampa

1. Es ist schon großartig, den Dharma in einer solch ausführlichen Form studieren zu dürfen. Das hat meinen Geist enorm erweitert. Wenn ich heute selbst einen Text wie das Madhyamakavatara oder den ausführlichen Kommentar von Pabongka Rinpoche zur Vajrayogini-Praxis lese, dann habe ich einen viel besseren Zugang als zuvor. Ich verstehe mehr, als ich vorher für möglich gehalten hätte. Es gab auch viele Gelegenheiten, zu denen Geshe Sönam Namgyäl über seine eigenen Erfahrungen gesprochen hat, aus seiner Zeit im Kloster Sera Jhe. Diese haben mir sehr viel Sinn und Mut gegeben. Ebenso hat Geshela im Kontext der Unterweisungen oft Geschichten erzählt. Das hat mir immer einen Energieschub gegeben, wenn ich mich mal aufgrund der Menge an Informationen etwas überwältigt fühlte. Auch finde ich es wichtig, mit Gleichgesinnten zu studieren und mit ihnen auch außerhalb des Unterrichts zu reden. So lernt man nicht nur vom Lehrer sondern auch von den Mitstudenten und kann einander unterstützen. Ich hatte anfangs gehofft, mehr Zeit für das Eigenstudium nach dem Unterricht aufbringen zu können, was mir leider nicht gelang. Die Verantwortlichkeiten außerhalb des Dharma-Kollegs haben mich stärker in Anspruch genommen als gedacht. Aber ich bin mir bewusst, dass ich Dank der Bemühungen von Geshe Sönam Namgyäl, versucht habe mein Bestes zu geben und somit viel Gutes erreicht habe. Ich erkenne mittlerweile immer mehr, dass bei allem Handeln die Motivation das Wichtigste ist für die spirituelle Entwicklung.

2. Das intensive Studium hat meinen Respekt vor den Studien in den Tibetischen Klosteruniversitä- ten und vor den Mönchen und Nonnen, die es durchlaufen, verstärkt. Ich bin enorm dankbar, diese Studien selbst wenigstens sechs Jahre lang betrieben zu haben. Dabei hat mich der ausführliche Kommentar zur Vajrayogini-Praxis von Pabongka Rinpoche besonders beeindruckt und beeinflusst z.B. durch die sehr detaillierten Praxisanleitungen. Es ist unerlässlich zu wissen, was man da täglich rezitiert, um so letztlich auch gut die Prozesse meditieren zu können. Es geht ja um eine Geistes- transformation. Das geht nur, wenn man den eigenen Geist auch mit Dharma durchtränkt und stärkt. Auch ist Geshe Sönam Namgyäl ein sehr gutes Vorbild bezüglich der Lehrinhalte, die er so perfekt beherrscht, und auch in seiner Lebensweise als Mönch im Bezug auf die Alltagspraxis. Sein Mitge- fühl, seine Weisheit, seine Freude, sein Gleichmut gegenüber all seinen Studenten sind für alle be- reichernd. Es ist eine große Ehre einen so nahbaren Lehrer zu haben. Sein enges Verhältnis zu Khen Rinpoche hat mich im Bezug auf die Lehrer-Schüler Beziehung tief beeindruckt. Es hat auch mein eigenes Verhältnis zu Khen Rinpoche positiv beeinflusst.

3. Da ich erst zwei Jahre später ins Dharma-Kolleg eingestiegen bin, fehlte mir eine beträchtliche Menge an Inhalten, die sich die anderen Studenten bereits in Vollzeit erschlossen hatten. Das habe ich v.a. am Anfang meiner Studienzeit oft gemerkt. Ich kam mitten in den Studien zur Vollkommen- heit der Weisheit. Es war schwer, sich einzufinden, aber Geshela hat eine besondere Art jeden mit- zunehmen. Ich habe es dann einfach akzeptiert, dass ich anfangs nicht so viel wusste und nicht so aktiv am Unterricht mitmachen konnte. Durch andere wichtige Tätigkeiten außerhalb des Dharma-Kollegs hatte ich auch nicht die Zeit, al- les nachzuholen. Ich habe einfach mein Bestes gegeben und dies als Anlass genommen, meinen Stolz zu minimieren. Wichtig war mir, dass ich nie aufgeben würde, auch wenn mir so manchmal der Gedanke durch den Kopf ging. So habe ich mich damit zufrieden gegeben, Anlagen zu sammeln und wie wir im Kloster (Sravasti Abbey, USA) immer sagten: “To be satisfied to create the causes.” Das ist wichtig.

4. Die Gemeinschaft ist natürlich anders gewesen als die im Kloster Sravasti Abbey, wo man Tag und Nacht miteinander verbringt, sich engagiert, gemeinsam meditiert, isst, betet, studiert und vie- les mehr. Aber es ist dennoch eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Wir haben immerhin von 9 Uhr bis ca. 16 Uhr gemeinsam meditiert, studiert, gekocht, diskutiert und uns auch in der Freizeit gegenseitig unterstützt. Ich fand es immer sehr bereichernd, von den anderen Studenten zu hören, was sie denken und wie sie leben und mich mit ihnen auszutauschen. Jeder einzelne hat mir beim Austausch andere Inspira- tionen geben können. Schwierige Umstände und Verhältnisse hier und da waren ebenfalls eine wichtige Belehrung und haben meine Praxis auf den Prüfstand gestellt.

5. Ich werde noch einiges wiederholen, vielleicht sogar nicht nur aufholen, was ich im ersten Durchgang des Dharma-Kollegs verpasst habe, sondern auch noch die folgenden Jahre mitmachen, so es meine Zeit hoffentlich erlaubt. Das wünsche ich mir sehr. Als Nonne gehört die intensive Be- schäftigung mit dem Dharma dazu und da habe ich noch viel zu lernen. So arbeite ich weiter mit meinem Geist, erinnere mich an das Geistestraining und bemühe mich, die Hindernisse auf dem Pfad in Freude und Mut umzuwandeln. Und letztlich möchte ich mit diesem Geist zum Wohle aller fühlenden Wesen dann von grösstmöglichem Nutzen sein.

 

Barbara Costaz

1. Am Dharma-Kolleg hat mir besonders gefallen, dass ich die seltene Gelegenheit hatte, von einem authentischen Lehrer wie Geshe Sönam Namgyäl zu lernen. Es war für mich etwas ganz Besonde- res, schwierige Klostertexte und Nalanda Schriften in einer Weise vermittelt zu bekommen, die nicht nur genau und tiefgründig, sondern auch verständlich und „verdaulich“ war. Ich hatte mir zu Beginn erhofft, den Dharma nicht nur theoretisch zu studieren, sondern ihn lebendig zu erfahren – und genau das ist geschehen. Auch die Gemeinschaft der Mitstudierenden, war für mich ein großes Geschenk. Der Austausch, das gemeinsame Lernen und Lachen, und nicht zuletzt das Kochen in der Pause für Geshela haben diese Zeit zu etwas sehr Kostbarem gemacht. Ich habe nicht nur Wissen, sondern auch Inspiration, Freude und Verbundenheit mitgenommen für meinen weiteren Weg, den ich nun weiter gehen muss.

2. Ein zentrales Thema, das mich im Dharma-Kolleg besonders geprägt hat, war das Studium des Madhyamakāvatāra. Dieser Text hat in meiner theoretischen und spirituellen Sichtweise einen großen Sprung ausgelöst. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, die Lehre von der Leerheit nicht nur intellektuell zu begreifen, sondern sie auch als Grundlage für meine Praxis zu erleben. Geshela hat den Text auf eine Weise erklärt, die mir den Zugang zu diesem tiefgründigen Wissen überhaupt erst ermöglicht hat. Ich konnte Schritt für Schritt erkennen, dass die Leerheit nicht etwas Abstraktes ist, sondern unmittelbar mit Mitgefühl, Gelassenheit und Offenheit im täglichen Leben verbunden ist. Im Alltag merke ich, dass sich mein Umgang mit Gedanken, Emotionen und Menschen verändert hat. Wenn schwierige Situationen auftreten, gelingt es mir öfter, einen Moment innezuhalten, bevor ich automatisch reagiere. Ich nehme Dinge weniger persönlich, manchmal habe ich sogar das Er- leben weniger individuell zu sein, kann manchmal sogar mit einem Lächeln auf das schauen, was früher sofort Anhaftung oder Widerstand ausgelöst hätte. Auch meine Dharma-Praxis hat sich vertieft. Ich übe mich nun bewusster in Achtsamkeit und ver- suche, das Verständnis von Leerheit als eine Art inneren Kompass mitzunehmen – nicht nur auf dem Meditationskissen, sondern mitten im Leben. Es fühlt sich an, als würde sich die Trennung zwi- schen „Praxis“ und „Alltag“ langsam auflösen.

3. Ich habe während des Dharma-Kollegs keine eigentlichen Krisen oder Zweifel am Weg oder an den Inhalten erlebt. Natürlich gab es Themen, die für mich anspruchsvoller oder schwerer zugänglich waren als andere – manche Konzepte haben Zeit gebraucht, um wirklich in mir zu reifen oder reifen noch. Aber ich habe das nie als Krise empfunden, sondern eher als Teil des Lernprozesses, als ein „Verdauen“ auf einer tieferen Ebene. Was mich die ganze Zeit getragen hat, war das tiefe Vertrauen in den Weg, in meinen Lehrer und in die Sangha. Ich habe mich oft einfach glücklich und dankbar gefühlt, unter so guten Bedingungen lernen und praktizieren zu dürfen. Dieses Bewusstsein, dass so eine Gelegenheit alles andere als selbstverständlich ist, hat mir sehr geholfen, auch mit schwierigen Momenten umzugehen. Wenn Herausforderungen auftauchten – sei es inhaltlich oder persönlich – habe ich versucht, sie mit Geduld, Humor und der Erinnerung an die Motivation anzugehen: dass es letztlich darum geht, den Geist zu schulen und das Herz zu öffnen. Diese Haltung hat mir geholfen, in schwierigeren Phasen weiterzugehen, Schritt für Schritt.

4. Die Gemeinschaft im Dharma-Kolleg habe ich als sehr unterstützend, wohlwollend und inspirierend erlebt. Über die Jahre ist etwas entstanden, das über eine reine Lerngruppe hinausgeht – eine Sangha, die trägt, ermutigt und in der man sich auf einer tieferen Ebene verbunden fühlt. Das gemeinsame Lernen, Reflektieren, Praktizieren und Kochen für Geshela ;-)) hat mir immer wieder gezeigt, wie kostbar es ist, diesen Weg nicht allein zu gehen. Natürlich gab es – wie in jeder Gemeinschaft – auch Momente, in denen ich mir manchmal etwas mehr Achtsamkeit im Miteinander gewünscht hätte. Doch gerade diese Erfahrungen haben mir ge- zeigt, wie wichtig Kommunikation, Geduld und Mitgefühl im täglichen Umgang sind – also genau das, was wir im Dharma lernen. Insgesamt empfinde ich große Dankbarkeit für die Sangha. Viele Begegnungen haben mich tief berührt, Freundschaften sind gewachsen, und ich habe von jedem Menschen etwas gelernt. Diese Gemeinschaft war und ist für mich eine Quelle der Inspiration, Freude und gegenseitigen Unterstützung auf dem Weg. Ich hoffe, dass wir verbunden bleiben und werde versuchen meinen Teil dazu beizutragen.

5. Nach dem Abschluss des Dharma-Kollegs möchte ich dem Dharma und meinen Lehrern weiterhin eng verbunden bleiben. Besonders die Unterweisungen von Geshe Pema Samten, Geshe Sönam Namgyäl und Geshe Lobsang Choejor sind für mich eine große Quelle der Inspiration, und ich möchte ihre Seminare auch in Zukunft regelmäßig besuchen. Mein Fokus wird dabei vermutlich noch stärker auf praxisorientierten Themen liegen, insbesondere auch auf den tantrischen Lehren, die das Verständnis und die Anwendung des Dharma im Alltag weiter vertiefen. Darüber hinaus freue ich mich, weiterhin als TA (Technische Assistenz) oder dort, wo Hilfe benötigt wird, tätig zu sein und so auch der Institution des Tibetischen Zentrums verbunden zu bleiben. Es ist mir ein Anliegen, das, was ich lernen durfte, einzubringen und auf meine Weise einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass diese kostbaren Lehren möglichst viele Menschen erreichen. Zudem wird das, was ich im Dharma-Kolleg gelernt habe – und weiterhin lerne – natürlich auch in meine Arbeit als Psychotherapeutin einfließen. Die Einsichten in Achtsamkeit, Mitgefühl und die Natur des Geistes bereichern mein berufliches Wirken und helfen mir, Menschen auf ihrem Weg noch umfassender und mitfühlender zu begleiten.

 

Bettina Hörsch-Marx

1. Sechs Jahre Dharma Kolleg – das ist eine lange Zeit. Dennoch verging sie im Fluge. Wie war es den Dharma so intensiv zu studieren? Super! Anstrengend! Bereichernd! Ich bin glücklich, meine Zeit in diesen sechs Jahren so optimal genutzt zu haben. Wenn man nicht gerade als tibetischer Mönch oder tibetische Nonne eine umfangreiche Dharma Ausbildung in den Klosteruniversitäten erhält, wo hat man in der westlichen Welt schon die Möglichkeit den tibetischen Buddhismus auch nur angehend intensiv zu studieren? Das Tibetische Zentrum in Hamburg ist eines der wenigen Dharma Zentren, die diese einmalige Chance innerhalb unseres eigenen kostbaren Menschenlebens anbieten. Von daher können wir Studierende uns als sehr vom Glück begünstigt betrachten. Viel Abhängiges Entstehen musste dafür zusammenkommen. Khen Rinpoche lud für das Dharmakolleg eigens Geshe Sönam Namgyal aus Sera Je als Lehrer ein. In der schönen Umgebung des historischen Hauses in der Güntherstraße durften wir von Geshe Sönam die klassischen Studiengebiete Lorig, Tarig, Düdra, Drumtha, Salam, Parchin, Uma, Vinaya, Abhidharma und Tantra sehr intensiv lernen. Lamrim und Mahamudra haben wir so nebenbei mitgenommen. Mit diesem Rundum-Überblick lässt sich jedes Thema einordnen. Einer tieferen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Dharma Aspekten steht nichts mehr im Wege. An manchen Herzensthemen klebte mein Geist regelrecht - aufsaugen und nachdenken als Gymnastik für den Geist. Ich konnte mir nichts Schöneres vorstellen als mich damit zu beschäftigen. Aber ehrlich gesagt, haben mich die vielen Einteilungen von manchen Texten manchmal schon genervt. Dieses Unbehagen hatte ich auch bei den Prüfungsvorbereitungen. Die Prüfungen umfassten jeweils ein Jahr Dharma und fanden vor Weihnachten oder nach Neujahr statt, also eine Zeit, in der man sich gerne mit anderem beschäftigt. Zudem ist das, was wir in einem Jahr studierten, sehr umfang- und detailreich. Daher leistete mein Geist ganz schön viel Widerstand, bevor ich mich dann endlich mit einer warmen Tasse Tee an die bemerkenswert ausgeklügelten Prüfungsfragen setzte. Mit dem Lernen wandelte sich der Prozess plötzlich in Begeisterung. In der Tiefe des Themas entfaltete sich auf einmal die ganze Schönheit des Dharma. Am Ende lagen die Zusammenhänge klar auf der Hand. Aus anderen Perspektiven und mit neuen Worten wird immer das Gleiche gelehrt wird. Also herzlichen Dank auch für die ungeliebten Prüfungen.

2. Nun freue ich mich auf die Freiheit, die mich am meisten berührenden Themen weiterzustudieren und vor allem auch formal zu praktizieren. A propos Praxis. Abgesehen von der Praxis mit lieben oder auch nicht ganz so lieben Mitmenschen im alltäglichen Leben, kam bei mir die formelle Praxis zu kurz. Die klassische Troika von „hören, nachdenken, meditieren“ wurde bei mir während des intensiven Studiums eher zum Zweispänner von schreiben & studieren und nachdenken. Die Meditation kam definitiv zu kurz. Auch bei der tagtäglichen Anwendung des Dharma im Alltag spüre ich manchmal meinen samsarischen Geist sehr deutlich. Auf jeden Fall hat sich meine Erwartung, einen guten Überblick über den Dharma zu bekommen, voll erfüllt. Nun geht es weiter, Dharma hört nie auf. Durch das Dharmastudium habe ich auch Freude an der tibetischen Sprache gefunden und studiere sie in sehr schönen online Kursen. Dies ist überaus bereichernd und beflügelnd, weil man mit Gleichgesinnten aus aller Herren Ländern lernt und auch etwas Einblick in tibetische Mentalität und Kultur bekommt. Die Vielfalt des Dharma durfte ich auch auf einigen Pilgerreisen erfahren.

4. Unsere Gemeinschaft im Dharmakolleg ist sehr bunt - wie viele bunte Blätter, die zusammen ein schönes Bild ergeben - jeder mit seinen Stärken und Schwächen. Am Anfang gingen wir euphorisch aufeinander zu, in der Mitte wandelte es sich in realistische Erwartungen und am Ende ergab sich ein von Wohlwollen getragener Umgang miteinander. Ganz besonders bewährt hat sich die Solidargemeinschaft unseres Kochteams. Kochen – der große Horror, insbesondere am Anfang. Viele von uns stöhnen auch heute noch innerlich auf, wenn unser Kochtag für ca. 10 Personen heranrückt und wir einen kleinen Berg von Lebensmitteln heranschleppen. Mittlerweile haben wir Übung mit einer Schnippelhilfe in kürzester Zeit ein schmackhaftes Mahl auf den Tisch zaubern. Wohlgemerkt keiner von uns ist Koch  aus Leidenschaft. Das gemeinsame Essen, meist in fröhlicher entspannter Atmosphäre, entschädigt für alle Anstrengung. Wahrscheinlich schmeckt es auch, weil sich in so manche Zutat unmerklich der Dharma eingeschlichen hat.

5. Für die Zeit nach dem Dharmakolleg wünsche ich mir, dass mein Lernen wie bisher, allerdings in neuer Form weitergeht. Mit dem Dharma werde ich mich weiterhin intensiv beschäftigen und mir dabei viel Zeit für die Praxis, einräumen. Die Bedürfnisse meiner Familie haben nach wie vor völlig ungleichmütig Priorität. Tibetisch und Reisen bleiben ebenfalls auf meinem Programm. Dem Tibetischen Zentrum bleibe ich verbunden. Ansonsten hoffe ich auf mehr Zeit für Yoga und Bewegung in der Natur.

Mein ganz besonderer Dank gilt Khen Rinpoche, der im Hintergrund das Dharmakolleg wohlwollend förderte. Geshe Sönam unterrichtete uns unermüdlich mit großem Enthusiasmus und einem Lächeln auf den Lippen. Das Unmögliche vollbrachte Elisabeth, indem sie Tibetische Texte in vielen Nachtschichten vorbereitete und für uns den Unterricht übersetzte. Ohne das Herzblut und Engagement dieser beiden, hätten wir nicht so ein tolles Dharma Kolleg gehabt. Herzlichen Dank auch an Geshe Lobsang, immer zu einem Scherz aufgelegt, brachte er uns mit seiner schönen Gesangsstimme die Rituale näher. Mit viel menschlichem Einfühlungsvermögen und Güte unterrichtete uns Frank von Debatte über Meditation bis hin zum Tantra. Oliver hielt immer gerne geistreiche Vorträge. Jens sei für seine Übersetzungen der ersten Jahre im Dharmakolleg gedankt. Vielen Dank auch an die vielen sichtbaren und unsichtbaren Unterstützer des Dharma Kollegs. Ihr seid alle großartig.

 

Maik Dierkes

1. Am Dharma-Kolleg habe ich besonders geschätzt, dass ich mich intensiv über einen längeren Zeitraum mit den Lehren auseinandersetzen konnte. Dabei habe ich durch Geshelas tiefgründiges Wissen nicht nur klare und verständliche Erklärungen erhalten, sondern es hat sich auch eine vertrauensvolle Beziehung entwickelt. Besonders hilfreich war es, zudem von unseren westlichen Lehrern zu lernen, die die Herausforderungen und Fragen von Menschen aus unserem Kulturkreis kennen und gezielt darauf eingehen konnten. Gleichzeitig habe ich die gemeinsame Motivation und den Zusammenhalt unter den Studierenden als eine wertvolle Bereicherung erlebt. Kurz: Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt!

2. Jedes Thema hat mich auf seine Weise berührt – manches sofort, anderes erst mit der Zeit. Doch der eigentliche Schatz liegt für mich in einer Einsicht, die durch das langsame Verknüpfung der Lehren entsteht. Im Alltag spüre ich, wie Gedanken an die Lehren mich mehr begleiten und kleine „Dharma-Routinen“ entstanden sind. Dharmapraxis ist für mich wie bei den Kontinentalplatten, die sich zwar kaum merklich verschieben, aber über die Zeit eine Große Veränderung bewirken.

3. Die größte Herausforderung war die Umstellung auf ein Vollzeitstudium – insbesondere die notwendige berufliche Neuorganisation. Zweifel oder Krisen gab es für mich nicht. Die Zeit erlebte ich viel mehr als bereichernde Phase des Lernens und der Gemeinschaft.

4. Die Gemeinschaft im Dharma-Kolleg habe ich als außerordentlich positiv und tragend erlebt. Trotz der individuellen Verpflichtungen, die jeder von uns nebenbei zu bewältigen hatte, herrschte ein Klima der gegenseitigen Achtsamkeit und Unterstützung.

5. Mit großer Freude schaue ich auf die Zeit im Dharma-Kolleg zurück und ich bin dem Tibetischen Zentrum und allen UnterstützerInnen von Herzen dankbar. Die Jahre haben nicht nur mein Verständnis der buddhistischen Lehren gefördert, sondern auch meine Verbundenheit mit dem Tibetischen Zentrum vertieft. Aus dieser Erfahrung unterstütze ich sehr gerne das große Engagement im Zentrum, die Lehre lebendig weiterzutragen (z.B. als Tutor). Zugleich merke ich, dass es noch ein Vertiefen und Festigen des Gelernten braucht und möchte daher am kommenden, einjährigen Vollzeitstudium teilnehmen.

 

Heike Schmick

1. Vor Beginn des Studiums hatte ich am meisten Respekt vor der engen zeitlichen Struktur: Das erste Jahr hatten wir an fünf Tagen von 9-15:30 Uhr Unterricht und danach an vier Tagen in der Woche. Pro Jahr hatten wir 34 Wochen Unterricht und 3-4 Wochen Lamrim-Klausur. Aber schon nach kurzer Zeit konnte ich die Vorteile dieser Zeitstruktur bei mir erkennen. Trotz Studium und Teilzeitarbeit hatte ich unerwartet mehr Zeitkapazitäten als zuvor. Somit hatte ich zwar faktisch weniger Zeit, aber gefühlt mehr davon - keine Ahnung wie das möglich ist. So konnte ich z.B. anfangs zusätzlich einmal im Monat und später wöchentlich Meditationen anleiten.

2. Ein Grund, warum ich das Dharma-Kolleg angefangen habe, war zu prüfen, ob die buddhistische Philosophie auch in der Tiefe so reich und vielfältig ist. Nach sechs Jahren kann ich sagen, dass ich nur einen Bruchteil des Reichtums kennenlernen durfte und es sich wirklich lohnt in die Tiefe zu gehen, wenn man die Inhalte als persönliche Praxisanweisungen auffasst. Wird nur zur Wissenser- weiterung studiert, dann kann die Tiefe auch zu einer gefühlten Trennung von Theorie und Praxis führen. Mein Dharma-Praxis hat sich intensiviert und ist gleichzeitig entspannter geworden, was vermutlich auch mit einer stärkeren Gewöhnung einhergeht. Sehr gerne würde ich das Dharma-Kolleg mit meinem heutigen Kenntnisstand und Erfahrungen noch einmal studieren. Mit jeder "Runde/Wiederholung" wird das Puzzlebild vollständiger und damit auch kraftvoller. Ich würde sagen, dass ich wirklich sicherer und sattelfester im Dharma geworden bin, was ich dadurch merke, dass sich die buddhistischen Sichtweisen vom Abhängigen Entstehen etc. mittlerweile auch im Alltag verankert haben. Es fühlt sich sehr natürlich und viel weniger künstlich an.

3. Im Verlauf des Dharma-Kollegs bin ich in die Nachwuchslehrkraftstätigkeit eingestiegen, womit auch der zeitliche Aufwand zunahm. Gleichzeitig habe ich anfangs monatlich und später wöchentlich auch extern Meditationen angeleitet, sowie meine Arbeitsstunden angehoben. Zudem wurde ich privat auch mehr gefordert. Alles zusammen wirkte sich das doch am Ende etwas zu Lasten des Studium aus. Es hat mich nicht wirklich in eine Krise geführt, aber etwas unzufrieden war ich schon, weil ich die Stütze oder auch den Schutzraum „Dharma-Kolleg“ gerne bis zum Ende genossen hätte. Ansonsten gab es keinen Moment für mich in den sechs Jahren, zu dem ich das Dharma-Kolleg in Frage gestellt hätte. Ich wusste, dass ich diese Jahre brauchen werde, damit sich mein Geist auch wirklich verändert. Mit der Anmeldung zum Dharma-Kolleg habe ich dem Studium bewusst eine priorisierte Position eingeräumt, wodurch es für mich auch zu einer richtigen Alltagsstütze wurde. Finanzielle Unterstützung habe ich dankenswerterweise von zwei Sponsoren über den gesamten Zeitraum, sowie von der Khyentse Foundation für ein ein Jahr erhalten. Was mich zusätzlich motiviert hat am Ball zu bleiben.

4. Für mich ist die Gemeinschaft ein wichtiges und tragendes Element, auch wenn - zumindest in meinem Geist - nicht immer eitel Sonnenschein herrscht. Ich kann in der Gruppe besser lernen und auch die Gruppendynamiken sind für mich wichtig, um meinen inneren "Schweinehund" im Zaum zu halten, gerade wenn der Alltag mehr und mehr zieht. Natürlich war auch der inhaltliche Austausch mit den Mitstudierenden für meinen Lernerfolg von hohem Wert. Auch das Gefühl von der Gruppe in herausfordernden Zeiten gestützt zu werden, empfand ich als sehr hilfreich. Wir sind wie eine Familie, wo auch nicht immer alles supi-dupi ist, aber man sich doch immer wieder auf den großen gemeinsamen Nenner (Dharma und das Wohl der Wesen) besinnen kann.

5. Den Weg als Nachwuchslehrkraft, den ich schon während des Dharma-Kollegs angefangen habe, möchte ich weiter ausbauen. Ich habe sehr viel Freude am Unterrichten und kann so mein Wissen auch noch weiter vertiefen. Leider habe ich nicht die zeitlichen Kapazitäten, um das Intensivstudium und im zweiten Dharma-Kolleg mit zu studieren – auch wenn ich diesbezüglich einen großen Wunsch verspüre und dies mein Dharma-Verständnis nochmal auf ein anderes Level heben wurde. Um alle Standorte bespielen und neue Nachwuchslehrkräfte einbinden zu können, werde ich auch wieder mehr Zeit und Energie in die Programmplanung und Konzeption einbringen.

 

Malte Bode

1. Sehr vieles hat mir am Dharma-Kolleg gefallen: Die Lehrer, die Gemeinschaft, der Unterricht, die Übersetzungen, die Reader, die Räumlichkeiten bzw. das Gebäude. Sehr besonders war für mich, dass wir neben Geshe Sönam Namgyäl auch Unterricht von unseren westlichen Lehrern (Frank und Oliver) sowie von Geshema Kelsang Wangmo und Geshe Lobsang erhalten haben. Alle Lehrer waren stets hochmotiviert. Das hat mich sehr beeindruckt. Darüber hinaus hatte ich den Eindruck, dass das Projekt “Dharma-Kolleg” ein Herzensprojekt für viele im TZ war, für Mitarbeitende und Mitglieder. Es wirkte aus meiner Sicht integrierend für den gesamten Verein. Auch für unsere Lehrer war es ein gemeinsames Projekt untereinander. Das hat sicherlich positiven Einfluss auf das Gemeinschaftsgefühl gehabt. Inhaltlich bzw. fachlich wurden meine hohen Erwartungen noch übertroffen. Der Unterricht war von allen Lehrern herausragend. Inhaltlich haben mir besonders sämtliche Unterweisungen von Geshela, der Ost/West-Unterricht bzw. Debatte-Unterricht von Oliver und die Meditationslehrerausbildung von Frank gefallen. Auch die Erläuterungen von Geshema Kelsang Wangmo waren sehr hilfreich. Der Tibetisch-Unterricht mit Geshe Lobsang war für mich schwierig. Gleichwohl habe ich mich jederzeit durch ihn inspiriert gefühlt. Etwas hinter den Erwartungen sind für mich die Retreats geblieben. Vom inhaltlichen her waren die Unterweisungen von Geshela natürlich einwandfrei. Meine Erwartung war jedoch, dass die Retreats Zeiten der intensiven (Lamrim-)Meditationspraxis sein würden. Ich hätte mir in diesen Zeiten weniger Stoff dafür aber einen intensiveren Meditationsrahmen gewünscht. Obligatorische Schweigezeiten wären sicherlich hilfreich gewesen.

2. Bezüglich der Lehrinhalte hat mich am meisten der Kommentar „Klärung der Absicht“ von Tsongkhapa zu Chandrakirtis Werk Madhyamakavatara beeinflusst. Alle wichtigen Themen der Prasangika-Lehrmeinung werden darin ausführlich besprochen. Dank dieses umfassenden Werkes und der tiefgründigen Belehrungen von Geshe Sönam Namgyäl dazu, habe ich nicht nur einen sehr guten Gesamtüberblick über das Sutra gewonnen, sondern vor allem das Thema der Leerheit bzw. des Entstehens in Abhängigkeit und Verbundenheit tiefer verstanden. Mein besseres Verständnis der Zwei Wahrheiten ist mir nun ein unschätzbarer Begleiter in Meditation und Alltag geworden, der mir hilft, einen ausgeglicheneren Geist zu bewahren. Zudem hat dieses Verständnis mein Vertrauen und meine Hingabe zum Dharma nochmal gestärkt. Da ich die Leerheit jetzt besser verstehe, achte ich noch mehr auf mein ethisches Verhalten. Persönlich haben mich auch die sehr unterstützende Gemeinschaft der Studierenden und das inspirierende Auftreten unserer Lehrer nachhaltig positiv beeinflusst. Schließlich fällt es mir auch leichter vor anderen zu sprechen. Dies hängt insbesondere mit den vielen Vorträgen und Meditationsanleitungen zusammen, die wir alle während der letzten Jahre halten durften. Ich bin sehr froh, mich auch diesen Herausforderungen gestellt zu haben.

3. Es ist schon eine sehr große Herausforderung Familie, Beruf und ein Vollzeitstudium unter einen Hut zu bringen. Dies ist mir leider im Fall der Familie nicht gut gelungen. Daraus resultierend habe ich Beziehungskrisen erlebt, die mich phasenweise entmutigt haben. Schwierig war es auch finanziell. Ich hatte das große Glück bei einem Arbeitgeber beschäftigt zu sein, der mir bezüglich meiner Arbeitszeiten sehr entgegengekommen ist. Trotzdem stand neben dem Studium nicht viel Zeit zur Erwerbsarbeit zur Verfügung. Ich kann mich tatsächlich an die ein oder andere schlaflose Nacht auf Grund finanzieller Engpässe erinnern. Sehr geholfen hat mir in diesen Krisensituationen die persönliche und finanzielle Unterstützung durch die Gemeinschaft der Studierenden. Ohne diese Unterstützung hätte ich das Studium nicht zu Ende durchführen können. Eine weitere Hilfe war zudem meine starke innere Überzeugung, trotz aller Schwierigkeiten das Richtige zu tun. Schließlich war der Unterricht auch fast immer so spannend, dass Sorgen leicht in den Hintergrund traten. Ich freue mich jedoch, dass das nächste Dharma-Kolleg nur vormittags abgehalten werden soll. Dies erscheint mir besser zu der Lebenswirklichkeit vieler Menschen im Westen zu passen.

4. Die Gemeinschaft war aus meiner Sicht eine der ganz großen Stärken des Dharma-Kollegs. Zwar waren die Erwartungen von uns allen verschieden, weshalb es gerade in den ersten Jahren manchmal zu Enttäuschungen kam, aber ausnahmslos alle haben sich sehr bemüht eine gute Gemeinschaft zu bilden. Auch unsere Lehrer haben viel dazu beigetragen, dass unsere Stimmung meist positiv und harmonisch war. Sehr hilfreich war auch, dass Geshela die Pausenzeiten fast immer mit uns verbracht hat. Das gemeinsame Kochen und das Mittagessen der Studierenden mit Geshela waren sehr förderlich für das Gemeinschaftsgefühl. Es wurde dann immer viel gelacht. Aber nicht nur persönlich sondern auch für das Studium war die Gemeinschaft äußerst wertvoll. Auf viele Unterrichtsfragen, die sehr wichtig für Erkenntnisgewinn waren, wäre ich gar nicht gekommen. In den von den Studierenden selbst organisierten „review classes“ ist dann unmittelbar deutlich geworden, dass man sich als Gemeinschaft tiefgründige philosophische Themen viel besser erschließen kann. Jeder hatte die Unterweisungen etwas anders verstanden. Der Abgleich unserer individuellen Verständnisse führte bei mir regelmäßig zu Aha-Erlebnissen. Schließlich bietet einem eine Gemeinschaft auch die unschätzbare Möglichkeit, den Dharma persönlich zu nehmen und in der Praxis umzusetzen. Meinungsverschiedenheiten oder gar Konflikte sind unvermeidlich in größeren Gemeinschaften und der Umgang damit ein guter Gradmesser dafür, wie gut man den Dharma bereits umsetzen kann.

5. Zuallererst wünsche ich mir, dass ich das Gelernte in der Meditation und im Alltag gut vertiefen bzw. umsetzen kann. Meine Motivation für das Studium war, meinen Geist gezielt zu schulen und mich als Mensch positiv zu entwickeln. In den nächsten Monaten plane ich, mich durch Retreats noch tiefer mit den Perspektiven des Buddha-Dharma vertraut zu machen und meine alltägliche Sicht auf die Wirklichkeit nachhaltig zu verändern. Gerne würde ich auch einmal in einer längeren Klausur versuchen, meinen Geist durch Konzentration gezielt zu stabilisieren. Wenn mir all das gut gelingt, sehe ich mich auch zunehmend in der Lage, die gehörten Inhalte nutzbringend an andere weiterzugeben. Das würde mich sehr freuen.

 

Elisabeth Steinbrückner

1. Ich kann gar nicht sagen, dass ich zu Beginn wirklich konkrete Erwartungen gehabt hätte. Ich wusste nur, wenn in Deutschland eine Möglichkeit geschaffen wird, den Buddha-Dharma intensiv zu studieren, dann gefälligst nicht ohne mich. Ich hatte mich schon über verschiedene Möglichkeiten im Ausland informiert und mich von meiner Familie schon halbwegs verabschiedet. Deswegen waren auch alle inklusive mir selbst sehr erleichtert, dass ich von Berlin aus gesehen dann nur einige Hundert Kilometer weiter nordwärts ziehen musste. Das, was dann im Dharma-Kolleg auf mich warten sollte, hätte sowieso jede Erwartung gesprengt, die ich je hätte haben können. In einer kleinen Gruppe von Leuten, die ähnlich entschlossen waren wie ich, für sechs Jahre studieren zu dürfen und dazu noch in der Obhut eines Lehrers der einzig und allein zu diesem Zweck seine ganze Lebenskraft zur Verfügung stellt, hätte sich auch in einem reinen Land kaum besser zusammenfinden können. Im Nachhinein muss ich sagen, dass mit diesem Studium alle meine Wunschgebete in Erfüllung gegangen sind. Das klingt zwar sehr pathetisch, ist aber die Wahrheit. Heike erinnert sich zum Beispiel daran, dass ich zu Beginn schon beklagte, dass es “nur” sechs Jahre sein werden und ich mich viel lieber ein lebenslanges Studium eingeschrieben hätte. Mit meiner geplanten Übersetzungstätigkeit im einjährigen Intensivstudium und im zweiten Dharma-Kolleg werde ich diesem Ziel ja schon einmal näher kommen.

2. Ich kann eigentlich nicht einzelne Inhalte herausgreifen, es ist viel mehr ein Gesamtbild, das sich über die Jahre aufgebaut hat. Dessen Einfluss auf meine Person kann ich wiederum auch nicht mehr vereinzeln. Die Inhalte sind schlicht Teil von mir geworden und fühlen sich nicht mehr wie etwas Äußeres an. Dass das innerhalb einer doch relativ kurzen Zeitspanne von nur sechs Jahren möglich war, ist sicherlich der Intensität dieser Zeit zu verdanken. Ich hatte ja bekanntermaßen das Glück, dass die Tätigkeit im Dharma-Kontext mittlerweile meinen Lebensunterhalt sichert. Das ermöglichte mir ab einem gewissen Punkt innerhalb die Konzentration all meiner Kräfte auf dieses Feld. Dharma-Studium und Alltagsleben sind zu einer Einheit verschmolzen. Dafür bin ich sehr dankbar, denn so komme ich im positivsten Sinne kaum noch dazu, über den Tellerrand zu schauen. Für tiefgreifende Veränderungen ist es ja unerlässlich, sich einer gezielten Gehirnwäsche im wahrsten Sinne – gerne auch gestützt auf Vajrasattva – zu unterziehen. Aus eigener Kraft hätte ich diese Intensität niemals herstellen können und bin den äußeren Verpflichtungen, die auch mal eine Nachtschicht erfordern, zu größtem Dank verpflichtet. Begrifflichkeiten wie Alltagsleben und Dharma-Praxis benutze ich zwar manchmal auch, finde sie für mich aber gar nicht besonders passend. Das liegt wohl daran, dass das Dharma-Kolleg und die Arbeit in einem Dharma-Zentrum zu meinem Alltag geworden sind. Und Dharma-Praxis findet genau in diesem Alltag statt, in dem mich zum Glück alles und jeder an meine Werte erinnert. Diese dauerhafte Konfrontation hinterlässt dann schon irgendwann Spuren. In diesem Kontext finde ich es besonders hilfreich, Vorbilder zu haben, die ihr ganzes Leben so ausgerichtet haben, allen voran, aber nicht ausschließlich unsere tibetischen Lehrer. Insofern könnte man vieles in meinem Alltag vielleicht als analytische Meditation durchgehen lassen, welche wir ja brauchen, um überhaupt erst einmal Kontakt aufnehmen können zu den Inhalten. Manchmal kommt der einspitzig konzentrative Teil sicherlich zu kurz, aber im Moment bin ich mit Hören und Nachdenken gut ausgelastet und auch noch gar nicht fertig.

3. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Zweifel, auch wenn es manchmal wirklich viel zu tun gab und ich dadurch ziemlich an meine Grenzen gehen musste. Das lag wahrscheinlich vor allem daran, dass ich ab dem zweiten Jahr regelmäßig Übersetzungen übernommen habe und ab dem dritten Jahr alleinige Übersetzerin im Dharma-Kolleg wurde. Das war nur möglich durch ein selbstorganisiertes, an den jeweils anstehenden Inhalten orientiertes Quasi-Parallelstudium der tibetischen Sprache. Ich hatte zuvor zwar hobbymäßig schon etwas tibetisch gelernt, war aber weder der Inhalte noch der Fachbegriffe schon mächtig. Also war ich, wenn meine Mitstudierenden eher nachbereiteten, zu täglicher gründlicher Vorbereitung des Unterrichts gezwungen, damit ich den jeweils anstehenden Ausschnitt aus dem Text bewältigen konnte. Mich wundert im Nachhinein selbst, dass das überhaupt geklappt hat. Für das Erlernen der Dharma-Begriffe stand mir natürlich Geshe Sönam Namgyäl stets hilfreich und geduldig zur Seite, während ich nach Feierabend versuchte, ihm die deutsche Alltagssprache schmackhaft zu machen. Ohne ihn wäre ich den Weg als Übersetzerin sicherlich nicht gegangen. Um die Aufgabe ausführen zu können, musste ich mich auch von meiner Persönlichkeitsstruktur her sehr verändern. Vieles daran fiel mir ganz schön schwer, aber die Aussicht, dass ich mein Leben so ja auf eine sehr sinnvolle Weise verbringen würde, trieb mich an. Und den Stress, den das bedeutete, muss ich im Nachhinein eher als guten Dünger fürs Gehirn loben. Wenn man etwas zum Überleben braucht, ist das Gehirn durchaus schneller bereit, etwas abzuspeichern. :-) Zum Glück waren alle stets sehr geduldig mit mir.

4. Der Mensch ist als Einzelwesen nicht kraftvoll, eigentlich sogar gänzlich undenkbar und doch sind funktionierende und tragfähige Beziehungen und Gemeinschaften die hohe Kunst. Ihre Pflege kostet durchaus auch mal Kraft und Zeit. In diesem Sinne war unsere Gruppe eine ganz normale. Darüber hinaus gab es aber auch außergewöhnliche Merkmale. Ausnahmslos alle Mitglieder waren bereit, ernsthaft an einer Veränderung ihrer selbst zu arbeiten und das ist eine Ausgangslage, die es auf der Welt nur sehr selten gibt. Ich bin sehr froh, dass wir alle die gemeinsame Zeit auch in diesem Sinne genutzt und uns miteinander und umeinander herum weiterentwickelt haben. In so einem Lernprozess wie den sechs Jahren des Dharma-Kollegs soll ja im besten Fall das ganze Wesen eines Menschen erfasst werden und dafür ist die Gruppe ein nicht wegzudenkender Faktor gewesen. Wer bereits das Glück eines stabilen Geistes erfährt, der ist vielleicht nicht mehr so sehr auf das richtige Umfeld angewiesen, aber alle anderen sind es wohl. Geshe Sönam Namgyäl betont oft, dass wir einander in diesem Sinne als Sangha-Juwel betrachten sollten, auch wenn die strenge Definition leicht anders lautet. Dennoch ist keinem von uns das Studium und die persönliche Entwicklung ohne die Unterstützung anderer möglich. Und auch das Karma, was uns ins nächste Leben bringen wird, wird sehr wahrscheinlich gegenüber solch nahestehenden Personen angesammelt. Das war mir in vielen Momenten sehr bewusst. Insgesamt kann ich mir kein Dharma-Kolleg ohne diese Art der Gemeinschaft vorstellen. Ich hoffe, deswegen sehr, dass wir in Zukunft, wenn dieses Studienformat hybrid angeboten wird, Mittel und Wege finden werden, um dieses Gefühl auch für die verstreut Studierenden erlebbar zu machen. Niemand sollte sich in seinen Bestrebungen zum Guten alleine fühlen und ich hoffe, dazu dann beitragen zu können.

5. Ich bin sehr froh darüber, dass in meinem Falle schon sehr deutlich ist, wie es weitergehen soll. Nach sechs Jahren nun habe ich einen ganz guten Rundum-Überblick, sowohl was die Inhalte angeht als auch was die tibetische Sprache angeht. Es fühlt sich so an, als könnte das wirklich eine gute Grundlage für ernsthaftes Studieren in der zweiten Runde sein. Ich brenne geradezu darauf, mit meinem jetzigen Kenntnisstand die ganzen Inhalten noch ein weiteres Mal durchzugehen. Das Grundgerüst steht nun und jetzt kann hoffentlich der Innenausbau an Wissens stattfinden. Dass ich als Übersetzerin im Intensivstudium und im zweiten Dharma-Kolleg die Gelegenheit dazu bekommen werde, stimmt mich mehr als freudig. Ich danke jetzt schon allen zukünftigen StudentInnen, die sich daran beteiligen werden. Lasst uns ein Dharma-Fest veranstalten!