Meine größte Schwierigkeit bin ich mir sicherlich Selbst. Etwas präziser formuliert: meine Identifikation mit dem Potential, welches ich unverwirklicht in mir trage. Mangelnde Unterstützung während meiner Kindheit hat viel Hindernisse in mir produziert und Erfolgserlebnisse verhindert. Das Potential jedoch ging nie verloren, genau so wenig (leider), wie die Identifikation damit. Es fühlt sich so an, als gäbe es in meinem „inneren Team“ ein Mitglied, welches nicht zur Geltung kommen kann und ein wenig ungehalten darüber ist. Die Integration dieser Persönlichkeitsanteile ist meine schwierigste Aufgabe, denn meine gesamte Lebensenergie und Lebensfreude sind darin gefangen. Aber wenn ich ihnen freien Lauf lasse, dann passt es nicht in meine Umgebung, und dann manifestieren sich auf einmal die Widerstände und Hindernisse, die sich früher in meinem Inneren entwickelten, im Außen. Da helfen mir nur Geduld und Mitgefühl, und es immer wieder versuchen. Zum Glück gibt es immer mal wieder Momente und Situationen, in welchen sich alles stimmig anfühlt.
Mein größtes Hindernis ist, dass ich mich immer mal wieder von meiner Dharmapraxis ablenken lasse. Es ist nicht in der Meditation selbst. Es ist der Weg auf das Kissen und der Weg in die Bücher.
Bei mir kreisen häufig berufliche Aufgaben und Probleme umher denen ich in dem Moment mehr Aufmerksamkeit gebe und vernachlässige dadurch meine Motivation für das Wesentliche.
Die Anhaftung an meine berufliche Tätigkeit nimmt leider einen großen Teil in meinem Leben ein und ist wahrhaftes generell ein großes Hindernis für mich. Wenn die Gedanken bei der Meditation auftreten, kann ich diese gut, wie Wolken, wieder ziehen lassen.
Irgendwann, meist wenn es mir nicht gut geht, erinnere ich mich, oder werde erinnert, wie gut und hilfreich die Praxis und die Bücher für mich sind.
Ich wundere mich jedes Mal erneut, warum ich mich wieder habe, so ablenken lassen. Dann nehme ich mir vor, mehr im Innen wie im Außen leben. Der Weg ist lang, aber es gelingt mir immer häufiger.
Dafür, dass ich jetzt 58 bin, habe ich vor knapp zehn Jahren recht spät angefangen, eine intensive Dharmapraxis zu entwickeln. Das geschieht seither mit so viel Unterstützung durch meinen Zen-Lehrer und die anderen Praktizierenden, dass mein Vertrauen und meine Entschlossenheit, auch in schwereren Zeiten weiter zu machen, nicht nachgelassen haben. Manchmal denke ich: Wahrscheinlich bin ich ein Novize, der die richtigen Prüfungen noch gar nicht berührt hat und die echten Hindernisse und Schwierigkeiten gar nicht richtig erkennt. Allerdings gibt es da doch etwas Merkwürdiges. Was mich seit meiner ersten Berührung mit dem Zen fasziniert, ist der Hinweis, dass die Schwierigkeiten und Hindernisse nicht irgendwo da draußen sind, sondern unmittelbar in meine Praxis hineingehören. Tauchen sie auf, dann gilt es, mit ihnen zu sitzen, statt sie zu leugnen oder als bloße Störungen auflösen zu wollen. Wie interessant! Wenn das wirklich gilt, erkenne ich, dass es ja doch immer wieder Schwierigkeiten und Hindernisse gibt. Größere und kleinere. Plötzliche und wiederkehrende. Simple und komplizierte. Und zwar immer dann, wenn ich versuche, sie aus meiner Praxis auszuschließen und sie der "Welt da draußen" zuzuschreiben. Das zu lassen, ist meine größte Herausforderung. Und ich bin mir dabei immer mal wieder mein größtes Hindernis. Naja, ich arbeite dran. Ich übe. Und sitze.
Ich bin wirklich sehr gerne Dharma Schüler und – Praktizierender, schon seit so vielen Jahren, ich studiere viel und hingebungsvoll Vorträge, Texte, probiere mich an kleinen Zusammenfassungen – top. Diese Form von Praxis reißt mich komplett heraus aus samsarischen Bedingungen und Gewohnheiten, schärft meine Sinne und mein Empfinden.
Das stille Sitzen – das war und ist für mich oft immer noch wie Schwimmen im entleerten Wasserbecken, mühselig und verloren, weil ich mich mit dem Sitzen, Atmen, Ruhen, Loslassen einfach sehr schwer tue. Ich verliere darüber die Orientierung, und rette mich zumeist über die vorgegebene Zeit, indem ich innerlich vertraute Gebete oder Mantras rezitiere, um mich nicht im Fluss der Gedanken zu verlieren.
Die gemeinsame Praxis im Zentrum gefällt mir eigentlich immer gut, es ist schön, diesen Raum zu betreten, die Sanghafreunde zu sehen, sich in der Praxis so verbunden zu fühlen, - ich tue mich aber schwer mit der Rezitation der tibetischen Texte, auch mit den vielen fremdartigen Bildern und Symbolen, die mir mittlerweile zwar vertraut, und doch immer noch ‚fremd‘ geblieben sind. Das finde ich schwierig. Praxis macht für mich dann Sinn, wenn ich verstehe, was passiert und worum es geht.
Mittlerweile bewege ich mich sicher durch die vorbereitenden Übungen der Ngöndro, durch Studium und Erfahren haben sie sich für mich aufgeschlossen, bereichern nun meine Praxis.
Diese Entwicklung im Laufe der Jahre sehe ich als einen stets sich weiter öffnenden Prozess, der mich mit viel Freude und Zuversicht erfüllt. Das Gute daran ist eben unter anderem, dass er mich dazu gebracht hat, Schwierigkeiten nicht als Blockaden zu erleben, sondern als Manifestationen, Markierungen wahrzunehmen, die ich im Moment noch nicht einordnen, erfassen kann, die aber den Pfad säumen und zu einem bestimmten Zeitpunkt sich auflösen, indem sie sich dann in ihrer Bedeutung zeigen.
Wenn man mich fragt, ich also mich selbst betrachten soll, was mir persönlich in Bezug auf Dharma-Praxis am schwersten
fällt, dann ist das: Bodhicitta, der Erleuchtungsgeist! Liebevolle Güte, Mitgefühl, sie in diesem großen Maß zu entwickeln, das halte ich für äußerst schwierig.
Shamatha, den Geist einspitzig zur Konzentration zu bringen, erscheint mir dagegen vergleichsweise einfacher; man
braucht es bloß zu üben. Das wahre Erzeugen des Erleuchtungsgeistes erfordert jedoch viel Nachdenken, viel Selbstprüfung und immer wieder viel Bemühen.
Meditation, so gerne ich das auch mache, da merke ich, ich drifte sehr schnell ab. Auch der Einklang zwischen Meditation und Alltag gelingt mir oft nicht gut. Zum Beispiel die „Rechte Rede“, da merke ich im Alltag, wie schnell man in Situationen gerät, wo man einfach drauflosredet und dabei Dinge sagt, die man eigentlich nicht so sagen sollte und wollte und ich falle da leider sehr schnell in ungute Gewohnheiten zurück. Das führt dann zu Gesprächen, wie man sie nicht haben will; ich rede so, wie ich es nicht haben will. Das immer in den Griff zu bekommen, fällt mir schwer. Und auch die Achtsamkeit in Bezug auf Gefühle, wie Ärger oder Aufbrausen. Ich sage mir, das musst Du ein bisschen besser schaffen, im Alltag draußen! In der Meditation gelingt es mir gut, achtsam zu sein, draußen nicht. Allein mit mir, fällt mir das leicht, ich fühle mich ruhig und gefasst, und im Alltag dann, entgleitet mir diese Haltung leider allzu leicht wieder.
Lo Jong! Geistesschulung! Das sind die schwersten Themen. Ungeduld! Ich bin vielleicht 10 % geduldiger als früher, aber immer noch 90 % voller Ungeduld. Und was mir am schwersten fällt, ist der Umgang mit Stress, wenn ich das starke Gefühl habe, unter Druck zu stehen. Eventuell kommt der Druck gar nicht von außen, setzt mich gar niemand so unter
Druck, aber ich erzeuge diesen Druck von innen und dann breche ich regelmäßig unter diesem inneren Druck zusammen.
Dagegen habe ich einfach noch kein geeignetes Mittel gefunden. Die Grundlagen des Dharma sind am schwersten!
Es fällt mir schwer, für mich durchgehend überhaupt eine tägliche Routine aufzubauen, in der ich mich morgens – am besten morgens und abends – einfach zur Meditation hinsetze und sie übe. Es im Alltag durchzuziehen, dass ich die Meditationen schaffe, die ich mir vorgenommen habe zu praktizieren und mir wirklich dann die Zeit dafür zu nehmen, gelingt mir nur schlecht. Ich habe den Wunsch, Shamatha-Meditation zu üben und durch kontinuierliche Praxis Fortschritte zu erzielen, aber da kommt mir immer wieder der Alltag dazwischen und ich bin wieder komplett `raus aus der Übung.
Ich kann immer sehr gut an dem Faktor Mitfreude erkennen, wo ich mit meinem Geist stehe. Kann ich mich ehrlich freuen, wenn andere einen guten Job machen? Als Kamera-Profi: Wenn ich z.B. sehe, dass die Kamera-Arbeit eines Kollegen besser ist als meine? Und er vielleicht Interesse hat, meinen Job zu übernehmen? Da gerät in meinem Oberstübchen schon einiges in Wallung. Wenn ich dann Wertschätzung und vielleicht sogar Freude für die gelungene Arbeit des Kollegen entwickle, und ich dann differenziert betrachte, wo die Schwächen bei meiner Arbeit liegen, fasse ich im besten Fall den Entschluss, daran zu arbeiten, und dann ein halbes Jahr später die gleiche Arbeit vielleicht ein wenig besser abzuliefern – und muss dann meinen Geist zügeln, mich nicht über den Kollegen zu erheben…Nicht besser zu werden, das liegt dann an meiner mangelnden Tatkraft, und davon habe ich leider reichlich!
Was mich immer wieder erschreckt an mir, ist der gruselige Umfang meiner Selbstbezogenheit. Alles dreht sich bei mir offenbar immer nur um mich und meine Befindlichkeiten. Und auch, wenn ich manchmal gestresst bin, wie leicht ich dann reizbar und abgenervt reagiere, und ungefiltert ohne jede Achtsamkeit meinen Frust ablasse, bestürzt mich oft. Dazu kommt meine große Schwäche der übertriebenen Anhaftung an schöne Dinge, schöne Kleider etc., die, so empfinde ich das deutlich, mit einer gewissen kindlichen Dummheit einhergeht, mich auf gewisse Weise verblödet und oberflächlich macht. Doch ich lasse das dennoch immer wieder zu, gebe wenig gehemmt viel Geld dafür aus, obwohl ich den Fehler eigentlich deutlich sehe und gegenüber anderen eher knauserig bin. Zum Schämen!